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Gedenken an die Opfer der NS-Zwangssterilisationen:

Gedenkveranstaltung und historischer Vortrag zu Opfern nationalsozialistischer Zwangssterilisationen in Börninghausen (14. Juli 2026)

 

„… ist unfruchtbar zu machen“ – so lautete wörtlich der Beschluss der nationalsozialistischen Erbgesundheitsgerichte, wenn sie auf Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933 entschieden, einen Menschen zu sterilisieren. Personen, die beispielsweise an Schizophrenie, einer anderen psychischen Beeinträchtigung, einer körperlichen Behinderung oder an Epilepsie erkrankt, die blind oder taub waren, fielen unter diese Bestimmungen. Zudem definierte das Gesetz „angeborenen Schwachsinn“ als eine „Erbkrankheit“. Wer beispielsweise Schwierigkeiten in der Schule hatte oder nicht den gesellschaftlichen beziehungsweise sozialen Normen entsprach, lief Gefahr, als „schwachsinnig“ bezeichnet zu werden. Schätzungen gehen davon aus, dass im Bereich des früheren Deutschen Reiches etwa 400.000 Personen von Zwangssterilisationen betroffen waren. Auch in den Ortsteilen der heutigen Stadt Preußisch Oldendorf gab es Opfer. Der NS-Terror und die Gewalt gegen Menschen mit Behinderung fanden ebenfalls in unserer Region statt.

Erst im Januar 2025 erkannte der Deutsche Bundestag die Opfer von Zwangssterilisationen ausdrücklich als Verfolgte des NS-Regimes an. Für viele der Betroffenen kommt dieser Schritt viel zu spät. Sie sind längst verstorben. Insofern ist der Umgang mit dieser Opfergruppe im Nachkriegsdeutschland mehr als unrühmlich gewesen. Umso wichtiger erscheint es, dass das Schicksal dieser Menschen dem Vergessen entrissen wird. Es gilt, das Gedenken wachzuhalten und aufzuklären über systematischen, staatlichen Terror. Niemals mehr sollte jemand aufgrund einer Beeinträchtigung sozial und gesellschaftlich ausgegrenzt, stigmatisiert, verfolgt und misshandelt werden.

Deshalb findet am 14. Juli 2026 – an dem sich der Erlass des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ zum 93. Mal jährt – eine Gedenkveranstaltung an beziehungsweise in der Börninghauser Kirche statt, die um 18.00 Uhr beginnt. Es handelt sich um eine Kooperationsveranstaltung der Stadt Preußisch Oldendorf, der Stadtheimatpflege, der Krankenhausseelsorge des Kirchenkreises Lübbecke und der örtlichen Kirchengemeinden. An dem Abend soll an die Opfer der nationalsozialistischen Zwangssterilisationen gedacht werden, wobei ein besonderes Augenmerk auf den Menschen liegt, die einst in Börninghausen und Eininghausen lebten. In beiden Ortschaften ermittelten die Nationalsozialisten gegen neun Personen, sechs Frauen und drei Männer. Sechs von ihnen wurden zwangsweise sterilisiert, eine von ihnen, Mutter mehrerer kleiner Kinder, starb an den Folgen des operativen Eingriffs. An sie alle und ihr Schicksal soll im Rahmen der Veranstaltung gedacht werden. Zudem besteht Gelegenheit zum Austausch, gemeinsamen Erinnern und Innehalten. Dabei wollen die Veranstalter ein bewusstes Zeichen setzen gegen Ausgrenzungen und Gewalt auch in heutiger Zeit – und sie rufen auf zu mehr Achtsamkeit gegenüber anderen.

Im Anschluss hält Stadtheimatpfleger Sebastian Schröder ab 19.00 Uhr im Gemeindehaus Börninghausen einen Vortrag, in dem er das Thema der nationalsozialistischen Zwangssterilisationen in den historischen Kontext einordnet und die NS-„Erbgesundheitspolitik“ erläutert. Der Titel des Vortrags lautet: „‘… ist unfruchtbar zu machen.‘ Zwangssterilisationen und NS-‚Erbgesundheitspolitik‘ in der Region – das Beispiel Börninghausen“. Insbesondere blickt er auf die Umstände im Lokalen und fragt danach, welche Strukturen und Faktoren zu Verfolgungen beitrugen. Außerdem benennt er die Täter und zeigt, wie der Nationalsozialismus vor Ort seine menschenverachtende Gewaltherrschaft ausbauen konnte und wie es dem Regime gelang, Menschen systematisch zu verfolgen, auszugrenzen und ihnen Gewalt anzutun.

 

Auf einen Blick:

Gedenken an die Opfer der NS-Zwangssterilisationen:

Datum: 14. Juli 2026, 18.00 Uhr

Kirche Börninghausen, An der Kirche 11, 32361 Preußisch Oldendorf-Börninghausen

 

Im Anschluss:

Vortrag von Sebastian Schröder: „… ist unfruchtbar zu machen.“ Zwangssterilisationen und NS-„Erbgesundheitspolitik“ in der Region – das Beispiel Börninghausen

Datum: 14. Juli 2026, 19.00 Uhr

Gemeindehaus Börninghausen, An der Kirche 11,32361 Preußisch Oldendorf-Börninghausen

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